
Zwischen Führung, Heilung und Familie
Als Chefin versuche ich immer für meine Mitarbeiter da zu sein. In kurzen persönlichen Gesprächen oder Telefonaten beantworte ich ihre Fragen. Auch das Organisieren und Abhalten der Teamsitzungen gehört zu meinen Aufgaben.

Manchmal kommt schon früh am Morgen, während ich gerade noch die Vesperbrote meiner Kinder herrichte, ein Anruf. Unser PC-Programm funktioniert nicht. Der Drucker druckt nicht. Die Klingel geht nicht. Die Lampe im Flur ist defekt.

Weiter geht es mit den Verordnungen. Diese müssen manchmal geändert werden, da sie eventuell nicht mehr gültig sind oder falsch ausgestellt wurden. Telefonate mit Arztpraxen und Krankenkassen stehen an. Und dann sind da noch die formalen Dinge. Wurden die Datenschutzbestimmungen unterzeichnet. Wurde die 12h Absage klar kommuniziert. Sind alle Rezepte für die Abrechnung fertig.
Freitags ist mein Bürotag. An diesem Tag liebe ich es, auch mal in Jogginghose am Schreibtisch sitzen zu können. Doch viel lieber als im Büro bin ich im direkten Kontakt mit den Menschen. Seit 20 Jahren arbeite ich als Logopädin und liebe meinen Beruf immer noch wie am ersten Tag. Ich freue mich auf jede einzelne Therapie und besonders auf komplexe und schwierige Störungsbilder. Oft wünsche ich mir Uhren, die in Therapiesettings langsamer laufen, damit mir mit meinen Patienten noch mehr Zeit bleibt für Zuhören, Ermutigen und das Feiern kleiner Erfolge.

Ich liebe den direkten Austausch mit klaren und ehrlichen Worten. Ich freue mich auf Therapien mit Kindern und genauso auf die Arbeit mit älteren Menschen. Der Kontakt zu meinen Patienten gibt meiner Arbeit Sinn. Denn das Führen gehört zwar zu meiner Rolle, doch Therapie ist mein Kern! Darauf möchte ich auch nach 20 Jahren nicht verzichten.

Nach der Arbeit wechseln die Rollen. Ich werde zur Hausaufgaben- und Lernbegleitung, zur Zuhörerin, zur Trösterin, zum Fan am Spielfeldrand und vieles mehr. Diese Momente mit meiner Familie sind kein danach. Sie sind Teil meines Lebens und unverzichtbar.


